Fischadler

Vogelkunde

Vogelbeobachtung ist ein praktisches Teilgebiet der Vogelkunde. Praktische Tipps zur Ausrüstung, Ferngläser, Spektive, Tipps zur Beobachtung und Bestimmen von Vögeln

Wissenswertes zur Vogelbeobachtung

Vogelbeobachtung (englisch = bird watching) ist ein praktisches Teilgebiet der Ornithologie (=Vogelforschung) oder Vogelkunde. Bei der Vogelbeobachtung werden Vögel in der freien Natur beobachtet. Vogelbeobachtung bedeutet für mich: Ruhe, Spaß am tun und es ist lehrreich. 
 
 In der Vogelbeobachtung bin ich nicht an Orte oder an Zeiten gebunden. Vögel können fast überall beobachtet werden. Vogelbeobachtung fängt an entweder auf dem Balkon oder im Garten, dann in Parks, im Wald, auf dem Feld, Feuchtgebiete, die Küste oder im Gebirge. 

Welche Ausrüstung für die Vogelbeobachtung? 

 Als Einsteiger benötigst du für die Vogelbeobachtung zu Anfang ein brauchbares Fernglas, dann ein gutes Bestimmungsbuch, ein Notizbuch und dem Wetter angepasste Kleidung. Dann kann es schon losgehen.
  
 Das Fernglas wird dich auf deinen Touren und Exkursionen über eine lange Zeit begleiten. Je nach Vogelart ist die Anschaffung eines Spektives (Fernrohr) sehr zu empfehlen. 
 Mit Fernglas und Spektiv können Vögel aus sicherer Entfernung beobachtet werden. Vor allem lassen sich Art, Alter und Geschlecht der Tiere sorgfältig ansprechen. 

Ein Notizbuch für die Vogelbeobachtung!

Du willst deine Beobachtungen aufschreiben? Das hilft dir anfangs die Arten kennenzulernen und verschafft einen guten Überblick über den Vogelbestand in deinem Beobachtungsgebiet. Besorge dir ein kleines Notizbuch, dass sich gut in einer Tasche unterbringen lässt und natürlich einen Stift, der auch bei Feuchtigkeit und Nässe noch funktioniert.
 
 Stellt Euch die Vogelbeobachtung nicht so einfach vor. Es gibt nicht jeden Tag viel zu sehen. Manchmal seid Ihr draußen und könnt über Stunden nichts beobachten. An anderen Tagen gibt es dann ganz viel zu beobachten. 

Vogelbeobachtung für Einsteiger

Um Vögel in der freien Natur korrekt bestimmen zu können muss der Beobachter die feldornithologischen Bestimmungsmerkmale der einzelnen Arten kennen. Diese Merkmale lassen sich nach und nach durch wiederholtes Beobachten und durch Benutzung von Bestimmungsbüchern erlernen.

Bestimmungsmerkmale in der Vogelbeobachtung

Feldornithologische Bestimmungsmerkmale in der Vogelbeobachtung helfen uns, die Art sicher zu bestimmen. Gerade bei Arten aus der gleichen Familie oder Unterfamilie ist es mitunter nicht so einfach, die Art richtig zu bestimmen. Die Feldornithologischen Bestimmungsmerkmale in der Vogelbeobachtung sind: 


 Es hilft ungemein, die einzelnen Teile des Vogelkörpers zu kennen und beschreiben zu können. Dazu müssen wir die Topografie des Vogelkörpers kennen.
Vögel fliegen und wir beobachten Vögel auch sehr oft im Flug. Dazu müssen wir die einzelnen Teile des Vogelflügel kennen und auch beschreiben können. Dafür sollten wir die Topografie des Vogelflügels lernen und uns einprägen.

Das Federkleid eines Vogels ist über das Jahr Veränderungen unterworfen. Vögel mausern, also wechseln Teile des Federkleids, z.B. in der Teilmauser. Durch die Mauser ändert sich auch das Aussehen einer Vogelart. So ist bei vielen Vogelarten ein Unterschied zwischen dem Brutkleid und dem Ruhekleid. Dazu müssen wir uns mit dem Federkleid der Vogelarten auseinandersetzen.
 
 Bunte Bilder in den Bestimmungsbüchern sind eine gute Sache. Ganz oft kannst Du aber die Farben nicht eindeutig erkennen. Dann sehen wir nur die Silhouette des Vogels. Vogelarten lassen sich gut über die Silhouette des sitzenden Vogels eingrenzen, auch die Flugsilhouette hilft uns sehr gut, einen Vogel zu bestimmen.
 
 In welchem Lebensraum haben wir den Vogel gesehen? Der Bestimmungsführer beschreibt die möglichen Lebensräume. Wir können dann abgleichen, ob der beobachtete Vogel tatsächlich die Art ist, für die wir sie halten. Gerade für Anfänger ist die Kenntnis des Lebensraumes eine gute Hilfe um Vögel sicher zu bestimmen und zu lernen.
 
 Fast alle Vögel rufen oder singen auch. Wir hören viel öfter die Arten durch Rufe oder den typischen Gesang. Gerade für den Anfänger in der Vogelbestimmung und Vogelbeobachtung ist es absolut nötig, die Vogelstimmen nach und nach zu erlernen. Die Stimmen und Rufe der Vögel sind in den Bestimmungsbüchern beschrieben. Dazu gibt es auch die Vogelstimmen auf DVD (im Handel erhältlich) oder man legt sich eine Vogelstimmen-App zu. Diese ist auf dem Smartphone ein guter Begleiter. 

Spezialkenntnisse in der Vogelbeobachtung

Spezialkenntnisse in der Vogelbeobachtung gehen über das vorher gesagte hinaus. Die Spezialkenntnisse beschäftigen sich mit Spuren die die Vögel in der Natur hinterlassen, ohne dass wir die Vögel zu Gesicht bekommen. Zu diesen Spezialkenntnisse zählen:

  • Federn
  • Nester
  • Eier
  • Gewölle
  • Fußabdrücke 


 Solche Spezialkenntnisse sind den Spezialisten vorbehalten. Diese Kenntnis erlangt man durch das Studium von Spezialliteratur. Auch Hobbyornithologen können sich dieses Wissen durch Studium der entsprechenden Bestimmungsbücher aneignen. 

 

Vogelbeobachtung mit der Digitalkamera

Im elektronischen Zeitalter sollte die Spiegelreflexkamera bei der Vogelbeobachtung nicht fehlen. Mit der Digitalkamera lassen sich Vogelbeobachtungen fotografisch dokumentieren. Der Gebrauch einer Digitalkamera bei der Vogelbeobachtung wird Digiscoping genannt. 

Vögel nach den Stimmen bestimmen

Lassen sich Vögel nach den Stimmen und Rufen bestimmen? Natürlich geht das. Und wie!Sehr oft hören wir die Vögel schon lange bevor wir sie zu Gesicht bekommen. Daher ist die Vogelstimme eines der wichtigsten Bestimmungsmerkmale in der Vogelbeobachtung oder Feldornithologie. 

Wie kann ich als Vogelbeobachter Vogelstimmen erlernen?

Vogelstimmen lassen sich durch die eigene praktische Erfahrung erlernen oder durch die Teilnahme an Vogelexkursionen unter der Leitung von erfahrenen Vogelkundlern. Zum Erlernen der Stimmen bieten sich auch Lernmittel auf DVD an, auf denen die unterschiedlichen Stimmen und Rufe der Vögel wiedergegeben werden.

Haubentaucher mit gefangenem Fisch

Haubentaucher

Ausrüstung für die Vogelbeobachtung

Die Grund-Ausrüstung für die Vogelbeobachtung ist überschaubar. Was ist das im Einzelnen? An Ausrüstung benötigst Du im Einzelnen:

  • Vogelbestimmungsbuch oder Vogelführer
  • Fernglas
  • Spektiv
  • Stativ


 Die Ausrüstung erkläre ich Euch nachfolgend im Einzelnen

Höckerschwan in der Startphase

Höckerschwan

Vogelführer für die Vogelbeobachtung

Vogelbestimmungsbücher werden auch Vogelführer genannt. Die Auswahl ist heutzutage schon recht umfangreich. Es gibt unterschiedliche Ausgaben für einzelne Vogelgruppen oder Vogelführer für einzelne Gebiete. So gibt es Vogelführer z.B. nur für Schottland, Österreich oder Deutschland. Dann gibt es Vogelführer, die ganz Europa abdecken oder noch weiter gefasst sind und Europa, Nordafrika und den Nahen Osten behandeln.
 Für jeden Gelbbeutel ist etwas dabei. Je nach Inhalt sind Vogelführer eher klein und handlich oder erreichen schon einen größeren Umfang.
 
 Was benötige ich als Vogelbeobachter wirklich. Ein guter Vogelführer geht auf folgende Inhalte ein:

  • Topografie des Vogelkörpers 
  • die einzelnen Kleider der Vögel werden gezeigt
  • Silhouetten sind abgedruckt 
  • Flugbilder
  • Text erläutert gut verständlich den Vogel
  • Stimme wird beschrieben
  • Verbreitungskarten zu jeder Art


 Was können wir also nehmen? Mein erster Vogelführer war "Der Komos Vogelführer von Bruun/Singer/König"; das ist schon  ziemlich lange her. Das Buch gibt es heute nicht mehr, ich benutze es aber immer noch gerne.
 Als Vogelführer für Anfänger eignet sich "Welcher Vogel ist das", von Volker Dierschke, herausgegeben vom Kosmos Verlag. Das Buch ist recht handlich bei 11,8 x 1,7 x 19,4 cm und passt dabei noch gut in eine Tasche. Beschrieben werden 440 Vogelarten in Europa. Für Anfänger und auch für den täglichen Gebrauch gut geeignet.
 Wer mehr wissen will dem sei der "Svensson" empfohlen: Der Kosmos Vogelführer - Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Dieser Führer ist erheblich umfangreicher mit 900 Arten und über 4000 Zeichnungen. Der Inhalt ist sehr gut. Dieser Umfang schlägt sich auch in den Abmessungen nieder: 14,5 x 3,1 x 20,2 cm. Für einen Vogelführer fast schon zu groß, aber sehr informativ. 
 Die genannten Bücher sind natürlich nur Empfehlungen. Es gibt erheblich mehr Auswahl.
 
 Es gibt zu einigen Ordnungen Spezialliteratur, die dann allerdings eher für den Hausgebrauch ist:

  • Greifvögel
  • Eulen
  • Entenvögel
  • Gänse
  • Möwen
  • Watvögel / Limikolen
  • Singvögel - Passeriformes
  • Nicht-Singvögel - Non-Passeriformes

Fischadler im Sturzflug

Fischadler

Fernglas für die Vogelbeobachtung

In der freien Natur sind Vögel meistens sehr scheu. Ohne Fernglas lassen sich viele Feinheiten nicht erkennen. Welches Fernglas eignet sich für die Vogelbeobachtung? 
 
 Das Angebot an Ferngläsern ist recht groß und zwar in Bezug auf Hersteller und in Bezug auf die Kenngrößen. Ferngläser sind tragbare Fernrohre. Ferngläser werden in binokularer Ausführung verkauft, d.h. wir sehen mit jedem Auge durch einen einzelnen Strahlengang, in dem sich Linsengruppen befinden. Dabei sehen wir ein großes rundes Bild. Hier interessieren uns die binokularen Gläser.
 
 Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal bei binokularen Gläsern sind die Kenngrößen, die aus zwei Zahlen bestehen. Die erste Zahl gibt die Vergrößerung an, die zweite Zahl nennt den Objektivdurchmesser.
 
 Ein Fernglas mit der Kenngröße 10 x 42 besitzt eine 10-fache Vergrößerung und das vordere Objektiv jedes einzelnen Strahlengangs hat einen Durchmesser von 42 mm. Die vordere Linse wird auch als Eintrittspupille bezeichnet. 
 Das Gegenstück zur Eintrittspupille ist beim Fernglas die Austrittspupille. Die Austrittspupille ist das Okular des Fernglases. Das ist der optische Teil des Glases, durch den das Auge sieht. Die Austrittspupille im Okular begrenzt den Durchmesser des Strahlenbündels der das Okular verlässt und auf das Auge trifft. Es besteht eine Korrelation zwischen dem Durchmesser der Eintrittspupille und dem Durchmesser der Austrittspupille. D.h. 42 mm Eintrittspupille sind gleich 4,2 mm Austrittspupille. Es sei vorweggenommen: Der Durchmesser der eigenen Pupille entscheidet auch darüber wie groß die Eintrittspupille eines Fernglases für den Nutzer sein muß.

Die Vergrößerung des Fernglases

Für brauchbare Ergebnisse bei der Vogelbeobachtung gibt es vier wesentliche Vergrößerungen.

  • 8-fach
  • 10-fach
  • 15-fach
  • 30-fach (Spektiv)


 Für die Arbeit aus der freien Hand sind 8-fach und 10-fach sehr zu empfehlen.  

Welche Fernglastypen brauche ich zur Vogelbeobachtung?

Nachtgläser mit 8 X 56 sind für die Verwendung auch in der Dämmerung sehr gut zu gebrauchen; es gibt auch Gläser mit der Vergrößerung 10 X 42. Entscheidend ist, was für das eigene Sehen am besten ist.
 Generell gibt es folgende Fernglastypen
 8x56 (Nachtglas)

8x32 (Pocket-Ferngläser)
8x42 (Pocket-Ferngläser)
10x42
10,5x28
8x24 (Pocket-Ferngläser)
8x44 (Pocket-Ferngläser)
10x44
10x54
15x56

Meine eigene Empfehlung ist ein Nachtglas, wenn man auch in die Dämmerung hinein aktiv sein will. Dann ist ein 8x56 unerlässlich. Ansonsten sind die Typen 10x42 und 10x44 schon eine sehr gute Wahl.
 
 Die oben genannten Typen sind bei den großen Herstellern zu bekommen. Entscheidend beim Fernglas ist, daß das im Fernglas gesehene Bild bis in die Ränder scharf ist. Gerade bei Vögeln kommt es die Feinheiten an, z.B. bei der Gefiederzeichnung. Daher sollten hier Gläser mit abfallender Randschärfe nicht in die engere Auswahl kommen. 

Spektiv für die Vogelbeobachtung?

Bei allen Arten, die sehr scheu sind und eine größere Fluchtdistanz zum Menschen einhalten sind Spektiv sehr hilfreich. Spektive sind meistens Monookulare, d.h. es gibt nur ein Okular zum Durchsehen. Es gibt auch Spektive mit zwei Okularen zur besseren Durchsicht. 

Welche Spektiv Typen gibt es?

Die häufigen Objektivdurchmesser sind 50, 60, 62, 65, 77, 80, 85 und 100 mm. Die Vergrößerung kann bei 20x, 30x oder 40-fach liegen. In der Regel kommen 20-fache und 30-fache Vergrößerungen zum Einsatz. Die häufigsten Objektivdurchmesser sind 60 mm, 80 mm oder 85 mm.
 Hersteller von Spektiven sind z.B. Bresser, Carl Zeiss, Eschenbach, Leica, Minox, Nikon, Opytolyth, Pentax, Swarowski.

Brauche ich ein Stativ für das Spektiv?

Ein Spektiv funktioniert am Besten, wenn es auf ein Stativ gesetzt wird. Dann kann man ein Bild ohne dauerndes Verwackeln sehen. Außerdem ist das Durchsehen einfacher. Wie auch bei Ferngläsern ist die durchgehende Schärfe bis in die äußersten Randbereiche entscheidend für die Kaufentscheidung. 

Für welche Vogelarten brauche ich ein Spektiv?

Spektive sind sehr nützlich für die Beobachtung von 

  • Gänse
  • Enten
  • Möwen
  • Kraniche
  • Greifvögel
  • Limikolen / Watvögel


 Der Vorteil von Spektiven bei der Vogelbeobachtung ist ein größeres und klareres Bild. Feinheiten bei der Gefiederzeichnung werden sichtbar. Gerade bei Enten, Möwen und Limikolen (=Watvögel) kommt es sehr auf die Feinheiten in den unterschiedlichen Federkleidern an.

Zwergtaucher

Notieren und kartieren

Deine Beobachtungen wollen irgendwohin. Oder anders. Was machen wir mit unseren Beobachtungen?
 Macht euch Notizen, evtl. auch Markierungen in Karten. Es macht Sinn, sich einer Vereinigung anzuschließen. Z.B. dem Nabu in Deutschland, regional gibt es auch noch andere vogelkundliche Organisationen, die auch alle über das Web zu erreichen sind. 
 Macht euch Notizen und so erhaltet Ihr über lange Zeiträume einen Überblick über Eure Beobachtungen und vor allem über die Brutvögel und Zugvögel in Eurem Gebiet. 
 Also los!

Wo sind die Bekassinen?

Bekassine